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Tutzinger Hütte

Die erste Bergtour in diesem Jahr steht an. Wo soll es hingehen? Im Winter gab es in den Nordalpen viel Schnee und der dürfte vor allem in nordseitigen Hängen noch reichlich verfügbar sein. Die Wahl fällt auf die Benediktenwand und die Tutzinger Hütte. Die Hütte ist von Benediktbeuern gut zu erreichen und am Pfingstwochenende sicherlich gut besucht. Ich reserviere daher im Mehrbettzimmer und überweise die inzwischen übliche Anzahlung.

Bis München ist die Autobahn fast leer, aber dann stehen wir im Stau - eine von unzähligen Baustellen auf deutschen Autobahnen. Den nächsten Stau schenke ich mir und nutze Nebenstraßen auf dem Weg nach Lenggries. Das Auto lassen wir am großen Parkplatz der Brauneckbahn stehen und obwohl die Schilder etwas anderes mitteilen, können wir das Fahrzeug für ein oder zwei Nächte kostenlos parken.

Der Anstieg zum Brauneck orientiert sich großteils an der Skipiste mit dem Vorteil, dass wir schnell an Höhe gewinnen. Allerdings rinnt bei dem drückenden Wetter der Schweiß in Strömen und brennt in den Augen. Nach nicht einmal zwei Stunden genießen wir an der Bergstation ein kühles Radler und eine heiße Suppe.

Noch trennen uns laut Wegweiser drei bis vier Stunden von unserem Tagesziel. Inzwischen ist es fast vollständig bewölkt und der Wetterbericht hat vereinzelt Schauer und Gewitter angekündigt. Auf dem Grat Richtung Benediktenwand können wir das gar nicht gebrauchen. Die Bergbahn hat unzählige Tagestouristen auf das Brauneck befördert, aber je weiter wir uns von der Bergstation entfernen, desto mehr lichten sich die Reihen.

Am Sattel nach dem Latschenkopf (Schilder) müssen wir uns entscheiden: entweder zwei Stunden über die Achselköpfe (etwas anspruchsvoller) oder 1,5 Stunden mit 200 Höhenmetern Abstieg und entsprechendem Gegenanstieg. Wir entscheiden uns für die vermeintlich kürzere Variante und steigen ab. Viel Schmelzwasser nutzt denselben Weg wie wir und sumpfige Stellen erfordern entsprechende Vorsicht. Im Gegenanstieg erwartet uns viel Altschnee, der sehr anstrengend zu begehen ist. Die Variante über die Achselköpfe wäre wahrscheinlich sinnvoller gewesen. Der Abstieg vom Rotohrsattel erfordert noch einmal höchste Konzentration, da der Weg auch hier noch unter einer Altschneedecke verborgen liegt.


Idealhang mit Stiealm (Schlepplift im Winter)


Aufstieg im Altschnee


Tutzinger Hütte 1.325m

Wir bekommen ein sehr schönes Vierbettzimmer in der Hausstattalm (Nebengebäude), die 2009 von einer Lawine vollständig zerstört und 2010 neu errichtet worden ist. Auch wenn die beiden anderen Schlafplätze in unserem Zimmer reserviert sind, bleiben diese leer und wir freuen uns auf eine ruhige Nacht. Ruhig? Theoretisch ja, aber die Zugangstüre zu den Schlafräumen ist mit einer sehr hart eingestellten, automatischen Schließvorrichtung versehen, so dass die Türe nach jedem Öffnen krachend in das Schloss fällt. Die Frequenz nimmt in den Morgenstunden zu, wenn das ein oder andere Getränk in umgewandelter Form wieder die Freiheit sucht.

In den Sanitärräumen gibt es auch eine kostenlose (!) Dusche. Leider habe ich gegen 18 Uhr kein heißes Wasser mehr. So wie es aussieht, haben zu viele Gäste dieses Angebot angenommen und der Heißwasserspeicher war zu diesem Zeitpunkt leer. Beim späteren Zähneputzen war das Wasser wieder heiß.

Die Hütte ist gut gefüllt und der Großteil der Übernachtungsgäste hat reserviert. Das erlaubt dem Hüttenteam die Gäste auf die Tische aufzuteilen. Die Namen sind entsprechend an jedem Tisch auf einem Schild aufgeführt. Das erleichtert die Platzsuche in einer vollen Hütte.

Neben einigen Gerichten auf der Karte bietet die Tutzinger Hütte auch Halbpension für 29 Euro an. Das Abendessen besteht aus einer Suppe, einer Hauptspeise (heute Leberkäse mit Kartoffelsalat) und einer Nachspeise, sowie Frühstücksbüffet am Morgen. Ungewöhnlich die Hüttenruhe, die auf dieser Hütte erst um 24 Uhr beginnt. Die meisten DAV Hütten setzen die Hüttenruhe auf 22 Uhr fest.

Bedingt durch die Anreise am frühen Morgen und dem anstrengenden Weg zur Hütte, gehen wir früh ins Bett. Kurz nach 6 Uhr bin ich wach. Ich hatte genug Schlaf, aber hauptsächlich die schlagende Türe im Abstand von wenigen Minuten hat mich aus den Träumen gerissen. Ab 7 Uhr gibt es Frühstück und wir sitzen schon kurz vorher auf unserem Platz. Es dauert allerdings noch bis 7:10 Uhr bis das Frühstücksbüffet aufgebaut ist.

Die ursprüngliche Idee für den heutigen Tag: Aufstieg zur Benediktenwand und dann weiter über die Stiealm und dann entweder Abstieg nach Lenggries oder zurück zur Tutzinger Hütte um hier eine zweite Nacht verbringen. Auf die Schneefelder haben wir keine Lust mehr und entscheiden uns daher für den Aufstieg Richtung Benediktenwand und Abstieg zur Jachenau. An der Abzweigung Benediktenwand/Jachenau überlegen wir, ob wir auf den Gipfel aufsteigen oder direkt in die Jachenau absteigen sollen. Dabei müssen wir berücksichtigen, dass wir mit dem Bus zurück nach Lenggries müssen, um zu unserem Auto zu kommen. Es ist Feiertag und es fahren nur zwei Busse von Jachenau nach Lenggries: um 10:50 Uhr und um 16:10 Uhr. Es ist kurz nach 8:30 Uhr und mit den angegebenen zwei Stunden können wir den Bus gut erreichen. Nehmen wir den Gipfel mit, sitzen wir später zu lange in der Jachenau fest. Da wir noch ein Quartier suchen müssen, entscheiden wir uns für den Abstieg. Wir sind eine halbe Stunde unterwegs und können der Zeitangabe auf dem nächsten Schild Jachenau nicht glauben: 2 1/4 Stunden! Wenn das stimmt, haben wir keine Chance auf den Bus. Wieder aufsteigen oder "Gas" geben? Wir entscheiden uns für die zweite Variante und erreichen tatsächlich noch den Bus um 10:50 Uhr.

Der Bus fährt bis zum Bahnhof in Lenggries. Von da können wir mit einer anderen Buslinie zur Talstation Brauneck fahren. Das Ticket können wir bereits bis Brauneck lösen. Wir steigen am Bahnhof aus und suchen die Haltestelle für die Weiterfahrt. Erst als wir vom Busfahrer, der kurz den Bus verlassen hat, angesprochen werden, stellen wir fest, dass der Bus lediglich die Linie und das Ziel in der Anzeige geändert hat. Wir hätten direkt sitzen bleiben können ...

An der Talstation sitzen wir gemütlich bei einem kühlen Getränk im Biergarten und essen eine Kleinigkeit. Dabei suche ich im Internet nach einem geeigneten Quartier für die Nacht und finde ein hervorragend bewertetes Landhaus zwischen Lenggries und Bad Tölz, das ich nach kurzer Beratschlagung auch sofort buche. Die Bewertung passt und wir genießen den sonnigen Nachmittag im sehr schön angelegten Garten mit herrlich erfrischendem Naturbadeteich.



Gehzeiten

UhrzeitBeschreibungGehzeit
9. Juni 2019
11:17Parkplatz Brauneck Talstation 
13:05Bergstation Brauneck bis 13:491° 48'
16:57Tutzinger Hütte4° 56'
10. Juni 2019
7:56Tutzinger Hütte 
8:35Abzweigung Benediktenwand bis 8:37
(Schild Benediktenwand 45 Minuten, Jachenau 2 Stunden)
0° 39'
9:52Wasserfall1° 54'
10:40Jachenau3° 02'
10:50Bus nach Lenggries Bahnhof 
11:17derselbe Bus (andere Linie 9564A) fährt zur Brauneckbahn (5,60 Euro)